§ 10

Das Geworfensein des Nichts Das „Geworfensein ins Nichts“, in die Sinnlosigkeit unserer Existenz, mit der wir alltäglich zu kämpfen haben, diese allumfassende Leere, die wir aus eigener Willens- und Kopfeskraft mit Sinn auszufüllen haben, das Nichts, dessen Ausfüllung zu unsrer dringlichsten und zu jeder Zeit drängensten Lebensaufgabe wird und von dem Sartre und Konsorten gerne und oft geschrieben haben, von dem sie sagen, wir alle, Sie, geneigte Leser, und auch ich, seien rettungslos hineingeworfen, ohne Anleitung, ohne helfende Hände, dieses schmerzliche Nichts, dieses furchtbare, nach Er-Füllung kreischende Nichts diesseits jeder Metaphysik, nicht ich bin in es geworfen, sondern es, so schwante mir nach dem mir starke Übelkeit und Leibschmerzen verursachenden Genuß allzuvieler Kässpätzle am Abend, ist in mich geworfen und verlangt nun mit unstillbarem und meine Biologie hoffnungslos überforderndem Hunger, in mir gefüllt zu werden, am besten mit Essen.

Published in: on September 10, 2007 at 11:29 pm  Comments (1)  

§ 9

Nicht für die Schule lernen wir Es gehört seit jeher zu den gern getanen Aufgaben von Eltern, ihren Sprößlingen abends vor dem Einschlafen die Märchen Wilhelm Hauffs oder der Gebrüder Grimm vorzulesen und die Kleinen damit sanft in den Schlaf zu begleiten. Glücklich kann sich das Kind schätzen, dem in den Abendstunden eine solche lehrreiche Lektion zuteil wird, und die meisten jungen Erdenbürger gehören zu diesen glücklichen kleinen Menschen. Manche Eltern sind sogar imstande, diese althergebrachten, vielgeliebten Geschichten nicht nur aus einem dicken Märchenbuche vorzutragen, sondern gar frei aus dem Gedächtnis, welches wiederum durch ihre Eltern trainiert wurde, zu rezitieren. Meine Familie ging mit mir noch weiter: Bei uns zuhaus wurden die Märchen nachgespielt. Drei Tage haben sie mich gesucht, damals, bei Hänsel und Gretel.

Published in: on September 1, 2007 at 11:35 am  Comments (2)